Schweizer Monat
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Von Michael Wiederstein

«In zwei Monaten haben wir Hitler in die Ecke gedrückt, dass er quietscht.» Franz von Papen am 30. Januar 1933, votierend für die Ernennung Adolf Hitlers zum deutschen Reichskanzler.

In der Rückschau ist die Bewertung eines politischen Ereignisses leichter. Dass von Papens Idee, Hitler als Pappkameraden in eine Machtposition zu hieven, um ihn dann öffentlich fertig zu machen und auf diesem Wege die gemässigten politischen Blöcke in Deutschland... » Mehr
Von Redaktion
Brüchige Identitäten
Es dauerte eine ganze Weile, bis der «Westen» dazu überging, die Werte der Aufklärung, in deren Zentrum die individuelle Freiheit steht, nicht mehr mit dem Gewehr, sondern vorwiegend friedlich zu exportieren – damit begann eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Während sich in unseren Breiten Politiker, Medien, Kirchen und andere zivilgesellschaftliche Akteure nun wieder anschicken, identitätspolitische Kollektive zu... » Mehr
Die traditionelle Bankenregulierung funktioniert nicht mehr. 
Für das Finanzwesen im 21. Jahrhundert ist ein neuer und radikal marktbasierter Ansatz gefragt.
Von Jonathan McMillan

Ein Paradeplatz ohne Banken und Banker? Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Comet Photo AG (Zürich) / Com_M01-0762-0006 / CC BY-SA 4.0.


Wir bezahlen unsere Rechnungen nicht mehr am Postschalter, sondern via Smartphone. Den Antrag für eine Hypothek reichen wir online ein, und unser Vermögen wird längst automatisch verwaltet. Ob Zahlungen, Kreditanträge oder Vermögensverwaltung, alles ist viel bequemer geworden. Einen Liberalen mag das nicht überraschen, denn wo der Wettbewerb spielt, da wird Wohlstand geschaffen. Und wo der Wettbewerb eine solche Dynamik entfaltet wie im Finanzwesen, da muss der...
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Erfolgreich, angesehen, ganz oben: bis vor wenigen Jahren 
mussten sich Mitarbeiter der Schweizer Finanzindustrie wenig Sorgen 
um ihre Zukunft machen. Das hat sich radikal geändert.
Von Michael Wiederstein

Martin ist 51 Jahre alt, promovierter Volkswirt, arbeitete sein halbes Leben lang für ein Zürcher Bankhaus im oberen und obersten Kader. Er hat Frau und drei Kinder – zwei in Zuoz, eins in Ftan –, ein Haus am oberen Ortsausgang einer Seegemeinde. Und er fährt einen Tesla. Gekauft hat Martin das Auto vor drei Jahren, um damit täglich in die Stadt zu fahren. Seit fast sieben Monaten steht es nun in der Garage, denn Martin ist arbeitslos. So lang am Stück wie... » Mehr
Wer Kunden wie Mastvieh behandelt, hat irgendwann keine mehr – 
das gilt auch für das Private Banking in der Schweiz. 
Will sie nicht untergehen, muss die Branche ihre Tugenden wiederentdecken.
Von Thomas Fedier

Schalterhalle oder Schlachthof: «Der Eingang ist für alle gleich, und am Ende wird alles irgendwie verwurstet.» Bild: imago / Eibner.


Jeder kennt folgende Erfahrung aus dem Gastgewerbe: In einem österreichischen Restaurant oder Hotel wird der Kunde wie ein König behandelt, in der Schweiz muss er nicht selten froh sein, wenn er überhaupt bedient wird – und das dann auch noch bezahlen kann. Was im Gastgewerbe gilt, gilt längst auch im hiesigen Banking: ein mangelndes Serviceverständnis ist seit Jahren offensichtlich. Schon Winston Churchill erinnerte seine Zuhörer mehr als einmal daran, dass...
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Die Finanzbranche wird totgeschrieben 
und bemitleidet sich selbst. 
Beides war nie unpassender.
Von Burkhard Varnholt

Bis vor wenigen Jahren bemerkte man bei Spaziergängen durch Zürich die vielen wohlklingenden Namen traditionsreicher Bankinstitute auf Schritt und Tritt. Schön war das, irgendwie: ihre diskreten, schweren Türen, die völlige Absenz von Werbung – all das belebte die Phantasie. Welch weltgewandte Kundschaft hier wohl ein- und ausgehen mochte?
Wo früher Banken waren, verkauft man heute Uhren, Schmuck oder Mode. Ist das nun besser oder schlechter? Weder noch:... » Mehr
Die Bank braucht uns.
Aber brauchen wir die Bank? 
Ein Fintech-Investor analysiert.
Von Stefan Jaecklin

Privatpersonen und Unternehmer benötigen klassische Banken derzeit hauptsächlich für drei Dienstleistungen:
• einen Zahlungsverkehr, der sowohl lokal als auch international verlässlich funktioniert
• die Aufnahme von Krediten
• die Möglichkeit zum Sparen sowie die Beratung in Geldangelegenheiten
In allen von diesen Bereichen sind auch Fintech-Unternehmen aktiv. Im Zahlungsverkehr ermöglichen Kryptowährungen wie beispielsweise Ripple... » Mehr
Von Nadine Jürgensen

Unlängst behauptete die Presse, Klassenchats an Schweizer Schulen seien illegal: Weil die neue EU-Datenschutzverordnung das Mindestnutzungsalter auf 16 Jahre erhöht habe, müssten die Chats nun gelöscht werden. Der oberste Lehrer, Beat W. Zemp, doppelte nach und verkündete, WhatsApp habe an Schulen sowieso «nichts verloren». Die Story entpuppte sich schliesslich als Ente: WhatsApp hat zwar aufgrund der neuen EU-Datenschutzverordnung das Mindestalter von 13... » Mehr
Von Christian P. Hoffmann

Gern werden Facebook, Twitter, YouTube & Co. verantwortlich gemacht für den Brexit, Trump oder den Aufstieg rechtspopulistischer Parteien in Europa. 
In den sozialen Medien sorgten – so der Vorwurf – algorithmische Filter für Echokammern, in denen Radikalismus gäre. Ich wage die Gegenthese: nicht die neuen Medien sind schuld am Aufstieg des Rechtspopulismus, sondern die «alten». Ein Beispiel aus Deutschland: ein Anführer der Alternative... » Mehr
Von Christina Baeriswyl

Jüngster Tag eines Steuerhinterziehers....
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Von Alexander Fink

230 Tage dauert die Anmeldung eines Unternehmens in Venezuela. Dazu sind insgesamt 20 administrative Schritte notwendig. Venezuela liegt damit gleich zweimal unrühmlich an der «Spitze» von 190 Ländern, jedenfalls wenn es nach dem aktuellen Doing Business Report der Weltbank geht. In Brasilien dauert die Firmengründung mit 101,5 Tagen am zweitlängsten, in der Schweiz geht es schneller: Innert 10 Tagen ist ein Unternehmen nach nur sechs Schritten angemeldet. Das... » Mehr
Der Schweizer Reformstau wird durch das Abstimmungsverhalten 
der Bürger verursacht. Damit die liberale Grundordnung nicht 
gefährdet wird, müssen wir die direkte Demokratie reformieren.
Von Hans Rentsch

In den 1990er Jahren haben prominente in der Schweiz tätige Ökonomen wie Bruno S. Frey, Gebhard Kirchgässner und Lars Feld mit Hilfe statistischer Vergleiche zwischen Gliedstaaten die Vorteile von mehr direkter Demokratie nachgewiesen. Ohne an der Kompetenz dieser Forscher zweifeln zu wollen, muss ich gestehen, dass mich diese Ergebnisse nie überzeugt haben. Die politischen Streitfragen auf der Ebene der Gliedstaaten sind weitgehend andere als beim Bundesstaat. Während... » Mehr
Scheitern bei der Reform der Altersvorsorge ist politisch opportun, 
weil es den Status quo beibehält. Ein Verfallsdatum für 
deren politische Eckwerte könnte aus der Sackgasse führen.
Von Lukas Müller

Der 25. Juni 1995 war ein Sonntag. An der Urne wurde mit knapp 61 Prozent Ja-Stimmen die 10. AHV-Revision angenommen. Sie brachte unter anderem einen individuellen Renten­anspruch für Frauen und Männer, die Witwerrente sowie eine schrittweise Erhöhung des Frauenrentenalters auf 64 Jahre. 
Nötig war die Revision gemäss Abstimmungsbüchlein, weil die AHV «ständig den sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen angepasst werden»... » Mehr
Tom Hanan, Gründer und Managing Director der Webrepublic AG, Zürich
Von Michael Wiederstein

Illustration: Matthias Wyler / Studio Sirup.


Geplant ist ein «Rundgang bei Rotwein» durch den neuen Standort der Zürcher Digital-Marketing-Agentur Webrepublic, die von Tom Hanan 2009 als 2-Mann-Betrieb gegründet wurde und heute auf über 160 Mitarbeiter angewachsen ist. Weil aber noch keiner von ihnen umgezogen ist, die Klingel dafür ausgeschaltet, Tom den Schlüssel vergessen hat und die Bauarbeiter hörbar fleissig am Schleifen, Hobeln, Sägen, Dübeln sind, stehen wir vor einer...
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Führung und Verantwortung in Zeiten des geopolitischen Umbruchs
Von Redaktion
Lange sah es aus, als seien dem Erfolg des westlichen Gesellschaftsmodells keine Grenzen gesetzt: die Kombination aus liberaler Demokratie, Marktwirtschaft, Dezentralität und stabilen rechtsstaatlichen Institutionen schickte sich an, von Europa aus die Welt zu erobern. Doch mit den europäischen Krisen und den anschliessenden Wahlerfolgen extremistischer Parteien am rechten und linken Rand in Polen, Ungarn und Italien, vielleicht schon mit der Absage der Ukraine im Hinblick auf ein... » Mehr
Von Karen Horn

«… wir [lassen] uns von Konservativen keine Denk­verbote beim Thema Geschlechter­gerechtigkeit vorschreiben.»
Christian Lindner, Vorsitzender der deutschen FDP, im Interview mit der NZZ vom 2. Mai 2018

Über Denkverbote zu klagen, hat Konjunktur. Besonders beliebt ist der Begriff in rechtspopulistischen Kreisen, wo man noch die abstruseste Meinung als Querdenken anpreist und nörgelt, man werde «ja wohl noch sagen dürfen,... » Mehr
Kurzgeschichte von Nickolas Butler

Aus dem Amerikanischen übersetzt von Dorothee Merkel

Mit Illustrationen von Stefan Vecsey
Von Nickolas Butler

Wie das Baby schreit und schreit und schreit. Wie furcht­bar langsam der kleine Mazda durch die Gegend zu kriechen scheint und in was für einen stickigen, feuchten Dunst aus Tränen, Rotz und sabbernder Spucke das Geschrei ihn einhüllt. Megan knirscht mit den Zähnen und schaut zu Steve hinüber. Er hält mit weiss gekrönten Fingerknöcheln das Lenkrad umklammert und starrt nach vorn, auf die sich endlos ineinander verschlingende Naht aus gelben...
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Von Stefanie Stadler Elmer

Grosse Veränderungen im Leben – Wahl des Berufs, der Freundschaften, Lebenspartner und -partnerinnen, des Wohnorts – entscheiden wir aufgrund der Kenntnis unseres Selbst, unserer Identität. Die klassischen Fragen rund um Identität sind: Wer bin ich, woher komme ich und wohin will ich in und mit dieser Gesellschaft? Auch alltägliche Belange wie die Wahl von Kleidern, Freizeitbeschäftigung, Wohnungseinrichtung und politische Abstimmungsparolen verlangen... » Mehr
Politiker appellieren gerne an Gruppeninstinkte, um Stimmen zu fangen. 
Dieser Tribalismus erschwert den Diskurs zwischen unterschiedlichen Interessen. 
Wie könnte eine humane Identitätspolitik aussehen?
Von Ivo Scherrer

Ivo Scherrer, photographiert von Lukas Rühli.

Stammesdenken ist allgegenwärtig. Theoretische Physiker blicken auf experimentelle Physiker herab, klassische Ökonomen beäugen Verhaltensökonomen kritisch und für viele Naturwissenschafter sind die meisten Sozialwissenschafter pseudowissenschaftliche Quacksalber. Akademiker unterschiedlicher Disziplinen stehen sich in leidenschaftlicher Feindseligkeit gegenüber, sprechen sich gegenseitig die wissenschaftliche Legitimität ab und stehen dabei Fussballfans...
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In Zeiten identitätspolitischer Verirrungen braucht es eine radikale Rückbesinnung auf die vier grossen Motive der Aufklärung: Vernunft, Wissenschaft, Humanismus und Fortschritt.
Von Steven Pinker

Steven Pinker, imago / ZUMA Press.

Was ist Aufklärung? In einem mit dieser Frage betitelten Aufsatz gab Immanuel Kant 1784 zur Antwort, Aufklärung bestehe im «Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit». Aus «Faulheit und Feigheit» unterwerfe sich der Mensch den «Satzungen und Formeln» religiöser oder politischer Autoritäten. Der Wahlspruch der Aufklärung, so Kant, sei: «Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!», ihre...
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Die Chefin von Microsoft Schweiz weiss: gute Arbeitsbedingungen sorgen für Identifikation mit der Firma. Dafür engagieren sich noch längst nicht alle hiesigen Unternehmen. Können sie von einem Dinosaurier der IT-Branche etwas lernen?
Von Ronnie Grob, Marianne Janik

Marianne Janik, photographiert von Philipp Baer.


Frau Janik, als Deutsche in der Schweiz und als CEO eines international tätigen Unternehmens: Welche Besonderheiten weist die Schweiz im Unterschied zu anderen Ländern hinsichtlich der Digitalisierung auf?Der Erfolg bei der Digitalisierung kommt ja oft aus der Fähigkeit, zu kooperieren und sich zu vernetzen. Die Schweiz ist hierbei gut aufgestellt: Sie funktioniert stark in Netzwerken. Die Innovation liegt in der DNA dieses Landes und vor allem auch in den KMU. Und das Thema...
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China setzt an, den sich selbst aufreibenden Westen 
zu überholen. Was wird (von) Europa und der 
transatlantischen Allianz übrig bleiben?
Von Michael Wiederstein, Bruno Maçães

Umgekipptes Abendland. Bild: Politische Karte Asiens. Quelle: D. H. Lange: Volksschul-Atlas, Dreihundertste Auflage, George Westermann in Braunschweig, 1899, Public Domain.


Herr Maçães, was hiess es, wenn man bis anhin vom Westen sprach, und was, wenn man vom Osten sprach?Es gibt viele verschiedene Arten, den «Westen» zu denken, es gab aber sehr lang nur eine, den «Osten» zu denken. Bis anhin war der Osten vor allem dadurch charakterisiert, nicht der Westen zu sein. 
Was also war der Westen?Den Begriff des Westens gibt es schon lange, man verstand ihn bisher als Idee einer bestimmten Zivilisation und Kultur,...
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Individualität, Freiheit, Pluralismus, Marktwirtschaft und Demokratie: Europa könnte aus seinen 
spezifischen Errungenschaften weiterhin politisches, wirtschaftliches und soziales Kapital schlagen. 
Die Europäische Union steht sich dabei nun selbst im Weg.
Von Andreas Rödder

Andreas Rödder, photographiert von Bert Bostelmann.


Ein «Zeitalter der Demokratie des Friedens und der Einheit» erwarteten die 32 europäischen und nordamerikanischen Staats- und Regierungschefs, als sie am 21. November 1990 die «Charta von Paris für ein neues Europa» unterzeichneten. Als der Kalte Krieg zu Ende war, schien das «Ende der Geschichte» (Francis Fukuyama) im besten Sinne gekommen, jedenfalls im Sinne des westlichen Modells von Freiheit und Menschenrechten, Demokratie und...
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In vielen Ecken Europas sind sezessionistische Bewegungen erfolgreich. Aus dem nachvollziehbaren Wunsch nach mehr politischer Eigenverantwortung wird dabei oft ein gefährliches Wettrennen nach Homogenität und Gleichmacherei. Ein Blick auf drei Epizentren des Sezessionismus.
Von Erik Jones

Erik Jones, zvg.

Der Aufschwung sezessionistischer Bewegungen in Europa hält nun beinahe zehn Jahre an. Er begann im Westen des Kontinents mit den belgischen Wahlen 2010, wo die Neuflämische Allianz zur grössten Partei des Landes wurde; im Osten sekundiert wurde er mit der russischen Invasion und Teilung Georgiens. Flamen, Abchasen und Südossetier drängen sich für eine vergleichende Analyse zwar nicht auf den ersten Blick auf, sie haben aber auf den zweiten Blick einiges gemeinsam...
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Ist der Nationalstaat am Ende? Das Gegenteil ist der Fall. Für die Schweiz muss es deshalb darum gehen, ihre drei aussenpolitischen Problemzonen – Neutralität, Föderalismus, direkte Demokratie – in Aktivposten umzumünzen.
Von Paul Widmer
Wozu noch über die aussenpolitischen Optionen eines Nationalstaats nachdenken? Die Idealisten unter den Geschichtsdeutern sind ohnehin der Ansicht, der Nationalstaat erübrige sich im Zeitalter der Globalisierung. Seine Kompetenzen gingen zusehends auf andere Akteure über. Und die Pessimisten stellen resigniert fest, die nationale Souveränität löse sich allmählich im Säureband internationaler Sachzwänge auf. Alles laufe, so heisst es, auf ein Ende des... » Mehr
Von Thom Nagy

Jennifer Jans, photographiert von Thom Nagy

Es ist gar nicht so einfach, einen Termin mit Jennifer Jans zu organisieren in diesen Frühsommertagen, in denen sie sich von einem Festival zum nächsten hangelt.
Ich treffe sie an einem Montag in ihrer Kreativzentrale im Basler Gotthelf-Quartier, wo die Grenzen zwischen Büro, Studio und Zuhause fliessend sind. Sie wirkt noch etwas müde vom Marathon-Wochenende im freiburgischen Düdingen, wo sie an der Bad-Bonn-Kilbi – einem der renommiertesten Festivals für...
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