Schweizer Monat
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Zehnkämpfer, Bobfahrer und Unternehmer Marcel Dobler muss sich als Neuparlamentarier in Geduld üben. Was hat er sonst noch gelernt?
Von Ronnie Grob, Marcel Dobler
Herr Dobler, im Jahr 2009 wurden Sie Schweizer Meister im Zehnkampf. Beginnen wir doch damit: Wie haben Sie all diese unterschiedlichen Disziplinen erlernt?Ich bin mit schnellen Beinen auf die Welt gekommen. Alles andere musste ich lernen. Wenn man mit 21 Jahren Stabhochsprung oder Hürdenlaufen lernt, braucht man etwas Ausdauer und viel Geduld. Der Anfang war hart und zeitweise auch schmerzhaft. Beim Stabhochsprung kann man auf der Stange landen, gar nicht auf die Matte kommen oder beim... » Mehr
In Berlin regt sich absurder Widerstand gegen ein Gedicht Eugen Gomringers, das eine Hochschulfassade ziert. Ein guter Anlass für unseren ehemaligen Kolumnisten, seine lyrischen Qualitäten zu entdecken.
Von Gottlieb F. Höpli
Eigentlich muss man ja froh sein, dass Berliner Studenten nicht mehr «Ho-Ho-Ho-Chi-Minh» skandierend durch die Strassen ziehen, keine Verlagshäuser mehr blockieren oder gar «Mollis» (für jüngere Leser: Molotowcocktails) werfen. 2017 geht es in Berlin eher um den Veggie-Day in der Mensa, um die geschlechtergerechte Bezeichnung und Ausstattung der Schultoiletten – und nun immerhin sogar um ein Gedicht. Nicht um irgendein Gedicht, sondern um das Gedicht,... » Mehr
Seit Jahren wird über wichtige Reformen der EU nachgedacht und gesprochen – passiert ist stets zu wenig. Es ist deshalb Zeit, auf einen Neuanfang zu setzen. Eine Antwort auf Michael Wohlgemuths Vorschlag zum «Europa der Zukunft».
Von Johannes Richardt
Die Freunde einer «immer engeren» Europäischen Union haben wieder Rückenwind. Nach dem Brexit-Schock im letzten Sommer konnten sich in Österreich, den Niederlanden und schliesslich in Frankreich EU-freundliche Kandidaten bei wichtigen Wahlen durchsetzen. Angesichts der Bedrohung durch «den Populismus» im Inneren, aber auch durch aussenpolitische Unsicherheiten – Stichwort: Trump, aber auch Putin oder Erdoğan – scharen sich gerade in Deutschland... » Mehr
Wie das Leben besser wurde - und warum es trotzdem fragil bleibt. Eine kleine Geschichte zum Fortschritt.
Von Olivia Kühni

Arbeitsalltag im Emmental, ca. 1950. Quelle: Staatsarchiv des Kantons Bern

Die Armen spinnen wie die sehr Reichen die Fäden ihres Lebens fremden Adressen entlang.
Als meine Grossmutter 23 Jahre alt war, tat sie das Ehrgeizigste, was ihr möglich war: Sie zog nach Nyon und heuerte als Hausmädchen bei einer wohlhabenden Familie an. Davor hatte sie im Zürcher Oberland Brot ausgetragen und Kaffee verkauft. Jetzt wollte sie Französisch lernen. «Ich war so wissensdurstig», sagte sie mir viele Jahrzehnte später. «Eine Lehre...
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Um zu arbeiten, benötigt Autorin Kathrin Passig längst nur einen Laptop und Internet. Ronnie Grob spricht mit ihr über Arbeitsproduktivität, über ihre Zeit als «Observer in Residence» an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) und über die Frage, weshalb man in Deutschland einen Steuerberater benötigt.
Von Kathrin Passig, Ronnie Grob
Liebe Kathrin, unter deinen NZZ-Kolumnen, die du zusammen mit Ira Strübel schreibst, steht jeweils: «Kathrin Passig lebt als Sachbuchautorin und Sachenausdenkerin in einem Bett in Berlin». Da frage ich mich: Wie und wo arbeitest du?
In den letzten zwei Jahren wurde mein Dasein, ohne dass ich das wollte, zunehmend nomadischer. Früher hatte man ja einen schlecht transportablen Arbeitsrechner. Und ein Bücherregal, auf das man Zugriff haben musste. Heute hat man einfach... » Mehr
Die US-amerikanischen Wahlen, Trump – und die nun zu ziehenden Lehren für Ökonomen.
Von Stefan Kolev
Als jemand, der noch zu Lebzeiten Breschnews in Bulgarien geboren worden ist, bewundere ich die USA, genauer gesagt das, wofür das Land traditionell steht. Trotz häufiger Konferenzbesuche ist es gerade mein längster Aufenthalt: sechs Monate an der Duke University in North Carolina, einer Privatuniversität, die mit einem gewissen Augenzwinkern Präsident Richard Nixon ihren berühmtesten Absolventen nennt.
Seit ich USA-bezogen politisch denken kann, also seit der... » Mehr
Kann man Erinnerungen pflegen wie ein Instrument? Kann man sie er- und verlernen? Was geschieht mit den Menschen, die man in seinem Inneren versammelt, nachdem man sie nicht mehr hat halten können? Eine melancholische Erinnerungsreise.
Von Tricia Laila Khleif
Zum letzten Mal sprach ich mit Abu Musa im März 2003, in der Woche, als der Irakkrieg ausbrach. Ich wartete, während der Besitzer des Ladens gegenüber von Abu Musas Wohnung – der einzige im Wohnhaus, der ein Telefon hatte – meinen ehemaligen Musiklehrer aus seiner Wohnung holte.
Vielleicht hatte ich Abu Musa aus einem Schläfchen geweckt. Auf jeden Fall liess er mich meinen Namen dreimal wiederholen.
Zuletzt ein Lachen. «Das kann nicht sein», sagte... » Mehr
Im Aufbau der Eidgenossenschaft bildet die politische Gemeinde die kleinste, dem einzelnen Bürger am nächsten stehende Einheit. Hier hat Politik Alltagsrelevanz. Hier ist Mitgestaltung der unmittelbaren Lebenswelt möglich. Aber genau hier wird wenig über konkrete Leitplanken liberaler Politik und ihrer Praxis nachgedacht.
Von David Dubach

Stich von Heinrich Brupbacher (1758–1835): Oetikon Stäfa. 1794. Aus: Heinrich Brupbacher - Conrad Ulrich (Hrsg): Der Zürichsee; Verlag Berichthaus, Zürich 1966. Gemeinfrei.

Adolf Gassers Hauptwerk «Gemeindefreiheit als Rettung Europas», erschienen 1947 in Basel, war der vielleicht letzte erfolgreiche Versuch, den Handlungsrahmen einer liberalen Kommunalpolitik zu definieren und diese in einen zeitlosen Kontext zu stellen. Gerade heute sind diese Überlegungen wertvoll. Denn der Kern einer gesunden Demokratie war für Gasser die «freie Gemeinde». In ihr und der ihr eigenen Übersichtlichkeit erkannte der Historiker das...
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Bei den Bilateralen geht es nicht um einen Kosten/Nutzen-Effekt, sondern um die Gewährleistung der Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Industrie: Eine Replik von Prof. Dr. Theodor Bühler zum Gutachten von Florian Schwab.
Von Theodor Bühler
Im Auftrag von Herrn Tito Tettamanti hat Herr Florian Schwab eine sogenannte Kosten-Nutzen-Analyse aus ökonomischer Sicht verfasst, deren – nicht weiter erstaunliches – Ergebnis lautet, dass die Bilateralen für den Schweizer Bürger praktisch wertlos sind. Dabei stützt sich der Verfasser auf Untersuchungen der KOF von 2008 und 2012, Untersuchungen im Auftrag der Seco, ein Gutachten von BAK Basels Economic AG und ein Gutachten von Ecoplan. Allen diesen...
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Immer wieder geben Handys, Tablets & Co. an den Schulen zu reden. Sind diese digitalen Begleiter mehr als Statussymbole, Ablenkungen oder virtuelle Spickzettel? Der «Schweizer Monat» hat zu diesen Fragen einige E-Mails mit dem Schul-und-Social-Media-Experten Philippe Wampfler ausgetauscht.
Von Philippe Wampfler

«Ein erster Schritt besteht darin, sich bei allem zu fragen, ob das so stimmen kann.» (zVg)

Immer wieder geben Handys, Tablets & Co. an den Schulen zu reden. Sind diese digitalen Begleiter mehr als Statussymbole, Ablenkungen oder virtuelle Spickzettel? Der «Schweizer Monat» hat zu diesen Fragen einige E-Mails mit dem Schule-und-Social-Media-Experten Philippe Wampfler ausgetauscht.
Lieber Phillippe Wampfler – was sagen Sie als Experte für Social Media in den Schulen zu folgendem Auszug aus der Hausordnung der Volksschulen der Stadt Zürich (Art. 10, Abs....
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Eine im «Monat» publizierte neue Studie findet, der Wert der bilateralen Verträge mit der EU pro Kopf der Schweizer Bevölkerung entspreche jährlich etwa einem Smartphone. Dabei geht es bei den Bilateralen um viel mehr: um die unternehmerische Freiheit.
Eine Replik von Dr. Jean-Philippe Kohl, Leiter Wirtschaftspolitik Swissmem.
Von Jean-Philippe Kohl

Europafahne, photographiert von MPD01605 (CC BY-SA 2.0).

«Was hat der Bürger von den Bilateralen?» Mit dieser Frage betitelt Florian Schwab seine Studie, die er im «Monat» vorgelegt hat (Beilage der März-Ausgabe). Darin will er den Wert der bilateralen Verträge mit der EU pro Kopf der Schweizer Bevölkerung eruieren. Schwab vergleicht dazu die Ergebnisse verschiedener Untersuchungen, die diesen Ertrag berechnet haben. Das Resultat sei «widersprüchlich und betragsmässig nicht besonders...
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Ein Gespräch über Zuversicht, Narrative, gute Politik und was zu tun wäre.
Von Georg Kohler, Andreas Müller, Jobst Wagner, Nathaly Bachmann Frozza
Aus Anlass des Buches «Die Schweizermacher – Und was die Schweiz ausmacht» über Rolf Lyssys «Die Schweizermacher» unterhielten sich Nathaly Bachmann Frozza (NBF), Andreas Müller (AM), Jobst Wagner (JW) und Georg Kohler (GK) über das schweizerische Selbstverständnis und dessen Hang, der Zukunft zu misstrauen.
Lyssys Film, der patriotische Selbstironie mit freundlichem Nachdenken über das verbindet, was wichtig ist für die gedeihliche...
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Was sich die Osteuropäer nach dem Fall des Eisernen Vorhangs erhofft hatten – in einer freien Gesellschaft und in einer freien Marktwirtschaft zu leben – ist nicht eingetreten. Stattdessen droht die De-demokratisierung Europas.
Von Václav Klaus

Václav Klaus, photographiert von David Sedlecký / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0.

Als jemand, der die Mehrheit seines Lebens im Kommunismus verbracht hat und während Jahrzehnten mit dessen Irrationalität konfrontiert wurde, finde ich es hervorragend, dass jemand wie Tito Tettamanti hier, in Westeuropa, in dieser «frivolen Gemeinschaft», sagt (und gefährlich findet), dass «die Jungen [und heute leider schon nicht mehr nur die Jungen – V.K.] das Scheitern der kommunistischen und realsozialistischen Staaten nicht persönlich miterlebt...
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Zwang zerstört Freiwilligkeit – eine Handvoll grundsätzlicher Gedanken.
Von Robert Nef

Photo: © User: Stepph / Wikimedia Commons / CC-BY-SA-3.0.

Liberale unterscheiden sich von Sozialisten nicht durch ihre Ideale, sondern durch die Methoden zu deren Erreichung. Auch Liberale postulieren Solidarität, Nachhaltigkeit, Fortschritt, allgemeinen Wohlstand und gleiche Startchancen. Die etatistischen Sozialisten – es gibt kaum mehr andere – eint der Glaube, wonach sich diese Ideale durch staatliche Regulierungen, Interventionen und Subventionen erzwingen lassen. Sie votieren für Instrumente, die über ein Primat der...
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Deutschland glaubt, gleichzeitig aus dem Atomstrom aussteigen und seine Klimabilanz verbessern zu können. Warum dies ein Irrtum ist.
Von Hans-Werner Sinn, Lukas Weber

Hans-Werner Sinn, photographiert von Thomas Burla.

Sie bezeichneten die Energiewende einst als Käse. Welche weiteren Wörter fallen Ihnen dazu ein…?
Ich bezeichne die Energiewende als einen Irrweg, da wir noch nicht über die technischen Möglichkeiten verfügen, den grünen Strom zu glätten. Das ist der Knackpunkt der Energiewende. Grüner Strom wird, dem Wetter und der Tageszeit folgend, sprunghaft – volatil – erzeugt. Deshalb braucht es weitere Anlagen, die die Lücken füllen,...
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Die EU scheint jüngst von einer Krise in die nächste zu schlittern. Aktuell gibt es vor allem fünf Herausforderungen. Die Schweiz tut gut daran, sie sich ebenfalls anzusehen.
Von Edoardo Beretta

Edoardo Beretta, zvg.

Das nächste Jahr steht an. In ökonomisch-politischer Hinsicht besonders analysewürdig ist einmal mehr jenes komplexe Konstrukt, für dessen Funktionsmechanismen eine vollständige Betriebsanleitung immer noch aussteht: die EU. 2016 steht sie vor Herausforderungen, die sie über die kurz- bis mittelfristige Zukunft hinaus prägen könnten.
1) Schuldenkrise: Man sollte unter den jetzigen Reformbedingungen nicht glauben, dass die griechische Wirtschaftsnot...
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Ein Nachruf.
Von Pirmin Meier

André Glucksmann, photographiert von Stephan Röhl, Heinrich-Böll-Stiftung.

Der französische Philosoph André Glucksmann, geboren am 19. Juni 1937, verstorben vor wenigen Tagen in der französischen Hauptstadt, war als Renegat der Linken ein stark beachteter Totalitarismuskritiker. Seine Vorfahren, die aus der Bukowina (Vater) und Prag (Mutter), stammten, repräsentierten ein aufgeklärtes Judentum. Die Familie lebte zunächst in Palästina, ab 1930 in Deutschland. Die Angabe auf Wikipedia, die Glucksmanns hätten sich dort 1933 dem...
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Wie sollen ältere Arbeitnehmer ins Wirtschaftsleben integriert werden? - Ein Essay von Nikolaus Storz.
Von Nikolaus Storz
Mit Erreichen der «Alterskohorte fünfzig» gehört man gemäss der aktuellen Forschungs- und Wirtschaftspraxis zu den Alten. Neu ist diese Feststellung beziehungsweise die daraus resultierende Forderung nach Integration dieser Alterklasse ins Wirtschaftsleben nicht. Wo also liegt das Problem? Verharren wir etwa in wohlfühliger Aufbruchsstimmung? Oder sind wir schon weiter?
Produktive Mitwirkung in der Arbeitswelt
Einer der zentralen Aspekte zur Beantwortung dieser... » Mehr
Als «liberal» bezeichnen sich viele Parteien – allerdings legen nur wenige den Begriff konsequent aus. Helena Schulthess, Nationalratskandidatin der Unabhängigkeitspartei (UP), verrät der Redaktion im Gespräch, wie sie zu Fiskalquote, Frauenquote, Lohndiskriminierung, Migration und Drogen steht.
Von Redaktion, Helena Schulthess

Helena Schulthess, photographiert von Michael Wiederstein.

Frau Schulthess, das Motto der Unabhängigkeitspartei lautet: «Wir lieben Freiheit». Die SVP hat den Claim für sich gepachtet: «Frei bleiben». Wo liegt der Unterschied?
Die SVP irrt. Wir sind längst nicht mehr frei. Wir müssen uns erst wieder vom überbordenden Etatismus befreien!
Bei der FDP heisst es «Freiheit, Gemeinsinn, Fortschritt». Wie stehen Sie dazu?
Es ist für mich selbstverständlich, dass ich mich für die...
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Eine scharfe Entgegnung auf das Gespräch zwischen Peter Sloterdijk und René Scheu in Ausgabe 1028.
Von Hanspeter Spörri
Es ist erstaunlich, wie verzerrt selbst klügste Köpfe die Wirklichkeit manchmal wahrnehmen. Besonders schädlich ist es, wenn dies in einer Debatte geschieht und man sich nicht nur nicht, sondern falsch versteht. Das muss passiert sein, als der Philosoph Peter Sloterdijk 2009 sein Referat an der Kulturlandsgemeinde von Appenzell Ausserrhoden hielt. An der gleichen Veranstaltung, aber einen Tag früher, war auch Enno Schmidt aufgetreten, Initiant und Verfechter des... » Mehr
Wer zu allem Ja sagt und nicht aneckt, gilt als liberal. «Liberal» ist ein Begriff ohne Bedeutung geworden. Was kann eine Partei wollen, die sich weiterhin so nennt?
Von Fritz Goergen
Entweder formt sich eine politische Kraft, die auf neue Weise den alten Schweizer Sonderweg geht. Oder die Schweiz endet auf der bilateralen Schiene als Quasimitglied der EU mit allen Pflichten und keinen Rechten. Entweder übernimmt die FDP wieder ihre traditionelle Rolle als die Schweizer Staatspartei schlechthin. Oder sie setzt ihren 20jährigen Niedergang fort. 
Eines durfte man mit der Schweizer FDP lange nicht tun: sie mit der deutschen gleichsetzen. Die deutsche FDP (Freie... » Mehr
Artur K. Vogel, Ex-Chefredaktor «Der Bund», blickt im Interview mit sich selbst auf seine journalistische Karriere zurück – und kritisiert die schleichende Entmündigung der Bürger.
Von Artur K. Vogel
Herr Vogel, was legitimiert Sie, uns ein Interview zu gewähren, um das wir Sie nicht gebeten haben?
Gar nichts. Ausser vielleicht die Tatsache, dass ich Journalist bin.
Darf sich ein Journalist zu allem äussern?
Klar, denn er ist sozusagen ein Spezialist für alles, wie gewisse Soziologen. Das habe ich sehr früh gelernt, von meinem ersten Chefredaktor bei den inzwischen verblichenen «Luzerner Neusten Nachrichten». Eines Tages ärgerte er sich über einen... » Mehr
Um auf die Beine und vorwärtszukommen, braucht Afrika Unternehmer, die Stellen schaffen. Denn mit Mitleid und Charity-Aktionen kann sich niemand etwas kaufen.
Von Claudia Mäder, Bethlehem Alemu

Bethlehem Alemu, photographiert von Giorgio von Arb.

Sie haben 2004 eine – inzwischen weltweit erfolgreiche – Schuhproduktionsfirma gegründet, und zwar unter dem Namen Sole Rebel. Wie die Sohle in den Namen kommt, ist klar, was aber hat es mit der Rebellin auf sich: Gegen wen oder was begehr(t)en Sie mit Ihrer Firma auf?
Der «Rebel»-Teil verweist auf die Leute, die einst für die Freiheit kämpften in Äthiopien. Die trugen eine spezielle Art von Schuhen. Ihnen zu Ehren heisst die Firma so. Das...
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Eines ist unbestritten: In der Schweiz fehlt es an Arbeitsplätzen für leistungsbeeinträchtigte Leute. Wie und wo die einfachen Tätigkeiten ihren Platz finden können, ist dagegen weniger klar. Sind «Sozialfirmen» ein Sprungbrett in den regulären Arbeitsmarkt oder ein Abstellgleis, das von diesem wegführt? Eine Debatte.
Von Redaktion, Daniela Merz, Daniel Schaufelberger
Frau Merz, Herr Schaufelberger, eigentlich ist der Sozialstaat eine Agentur des sozialen Ausgleichs. In der Politik gerät er nun aber zusehends unter Druck. Mit Blick auf die Sozialhilfe: Welches sind die Grundfragen, die sich in dieser Debatte stellen?
Daniel Schaufelberger: Hinter vielem, was zurzeit diskutiert wird – seien es die Fehlanreize oder die Höhe der Sozialhilfe –, steht letztlich die Debatte darum, wer Anrecht und Anspruch auf das letzte soziale Sicherungsnetz... » Mehr
Man mag von ewigen Ferien voll süssen Nichtstuns träumen. Leben würde man ohne Arbeit aber schwerlich können. Denn was uns als Mühsal erscheint, entlastet uns das Dasein.
Von Thomas Vašek
Nichts hassen, nichts lieben die Menschen mehr als die Arbeit. Nichts kann uns so nerven und belasten, nichts so unendlich befriedigen. Arbeit ist paradox, das ist ihr Wesen, ihr Segen und ihr Fluch: So sehr wir sie zum Teufel wünschen, so wenig können wir, so wenig wollen wir auf sie verzichten.
Arbeit ist existenziell. Sie schafft Gründe, sie bringt uns mit Menschen zusammen, sie gibt uns einen Sinn. Auch wenn wir sie oft als Zumutung empfinden: Wer Arbeit auf eine lästige... » Mehr
Kosten senken, Investitionen zurückstellen und schliesslich nach staatlicher Unterstützung rufen – viele Schweizer Unternehmen reagieren mit Standardrezepten auf die Frankenstärke. Wir haben einen alternatives Mittel: gesunde, kluge Unternehmensführung.
Von Andreas Oertli, Raymond Hofmann
Die Schweizer Wirtschaft, insbesondere die Exportwirtschaft und der Detailhandel sowie der Tourismus, ächzt unter den Folgen des starken Frankens und dem damit einhergehenden potentiellen Verlust von Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich.
Schnell sind die Standardrezepte aus der Schublade geholt: Kosten senken (lies: Einsparung von Personal, Lohnsenkungen, Kurzarbeit, Prozessoptimierungen, Outsourcing), Investitionen zurückstellen, Kapitalkosten optimieren, Preise... » Mehr
Eine Duplik auf die Antwort der Gebrüder Meili
Von René Scheu
Geschätzte Herren Meili,
ich gehe in meiner NZZaS-Kolumne von der realen fiskalischen Welt aus: 10 Prozent der Steuerpflichtigen bezahlen rund 70 Prozent der Einkommenssteuern, über ein Viertel zahlt gar keine direkten Bundessteuern. Und dieselben, die die Einkommenssteuer berappen, haben auch die Ehre, für das Gros an Vermögens-, Unternehmens- und Konsumsteuern aufzukommen. Nun sollen dieselben Leute dank national verordneter Erbschaftssteuer nochmals zur Kasse gebeten... » Mehr
Eine Replik auf den Artikel von René Scheu
Von Marcel, Daniel und Martin Meili
Warum nur ist es so schwierig, eine sachliche Debatte über die Erbschaftssteuer zu führen, ohne gleich nach Luft zu schnappen? «Fiskalkleptokratie», «breiter Egoismus», «räuberische Neigungen.» In dieser Rhetorik wäre jede Steuer ein gesetzlicher Raub. Eine Erbschaftsteuer ist demnach nichts anderes als ein staatlich angeordneter Diebstahl am Vermögen der Wohlhabenden. Die Steuerprogression wäre sodann nur die Bestrafung all... » Mehr
... Aber schlaue französische Füchse aus dem Mittelalter können helfen, sich die republikanische Trias der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zu vergegenwärtigen.
Von André Glucksmann

Holzschnitt aus «Von Reyneken Vosse dem Olden», Frankfurt am Main, 1550.

In der Europäischen Union verschlechtert sich alles, und allem voran in Frankreich. Die Statistiken häufen sich, die Umfragen bestätigen es, die Ökonomen erstellen dunkle Bilanzen, die Ökologen beschwören apokalyptische Gefahren, die Politiker hängen einer vermeintlich glorreichen Vergangenheit nach, beklagen die Gegenwart und fürchten die Zukunft, dem demographisch schwachen alten Kontinent drohen im Osten wie im Süden Invasionen, wir überleben...
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Anstatt sich vor der Deflation zu fürchten, sollte die SNB lieber Gold kaufen.
Von Timo Rager

Timo Rager photographiert von Monika Bucher.

In den öffentlichen Stellungnahmen zur Aufgabe der Frankenanbindung an den Euro dominiert nach wie vor die Empörung. Fast ausschliesslich werden die Konsequenzen für die Exportindustrie thematisiert, als ob die Schweizer Wirtschaft nur daraus bestünde. Über die Einführung eines neuen Mindestkurses wird gemunkelt, und die Wechselkursentwicklung seit dem 15. Januar lässt vermuten, dass die Schweizer Währungshüter weiterhin einiges daransetzen, den...
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Ist die Zeit reif für eine neue Landeshymne? Oder zumindest ein neues patriotisches Lied? Um diese Fragen zu beantworten, holt sich Philosoph Elmar Holenstein Inspiration bei Bertolt Brecht.
Von Elmar Holenstein

Foto von Wikmedia Commons.

Eine PDF-Version dieses Artikels kann hier heruntergeladen werden.
Die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft schrieb 2013 einen Wettbewerb für eine neue Landeshymne aus.1 Innerhalb eines Jahres wurden über 200 Bewerbungen eingereicht. Sechs der Eingaben sind Ende März 2015 zur landesweiten Diskussion veröffentlicht worden. Die in Umfragen oben aufschwingende Version soll, sobald sie in der Bevölkerung genügend verbreitet und beliebt ist, den...
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Die Neoliberalen haben zu sehr auf den Staat gesetzt, den jungen Anarchokapitalisten fehlt dagegen das Verständnis für die Herrschaft des Rechts. Darum gilt es, die verschütteten Prinzipien des klassischen Liberalismus freizulegen. Ein Gespräch.
Von René Scheu, Helmut Krebs, Michael von Prollius

Michael von Prollius.

SM: Meine Gesprächspartner sind Helmut Krebs, Autor des soeben erschienen Buches «Klassischer Liberalismus – Die Staatsfrage gestern, heute und morgen», und Michael von Prollius, Ko-Autor und Herausgeber der «Edition Forum Freie Gesellschaft», in der das Buch erschienen ist. Beginnen wir persönlich: Herr Krebs, wie kam ihre Zusammenarbeit mit Michael von Prollius zustande? 
HK: Mein Engagement für die Sache der Freiheit nahm erst so richtig an...
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Die Kritik an inflationstüchtigen Zentralbanken ist en vogue – zielt aber am eigentlichen Problem vorbei. Denn die Geschäftsbanken schöpfen bis zu 5mal mehr Geld. Und es fliesst, anders als das der Zentralbanken, nicht selten in die Säckel ihrer Kaderleute.
Von Norbert Häring
«Im Studium der Geldwirtschaft, mehr als in jedem anderen Feld der Ökonomie, wird Komplexität dazu gebraucht, um die Wahrheit zu verbergen, oder der Wahrheit auszuweichen, nicht um sie offenzulegen.» John K. Galbraith, 1975
 
Seit 15 Jahren schreibe ich für deutsche Wirtschaftszeitungen über die Notenbanken und die Finanzmärkte. Knapp zehn Jahre hat es gedauert, bis ich allmählich merkte, dass ich gar keine Ahnung von den tieferen... » Mehr
Von Béatrice Acklin
In seinem im «Schweizer Monat» vom 14. Dezember 2014 veröffentlichten Beitrag schreibt Martin Grichting: «Die Kirche ist weder rechts noch links, und sie zählt auch nicht zur Mitte.»
Dem ist ohne Wenn und Aber beizupflichten. Anders als beispielsweise Gewerkschaften oder Wirtschaftsverbände handelt es sich bei der Kirche nicht einfach um eine Interessensgruppe, sondern sie zeichnet sich gerade dadurch aus, dass ihr Menschen unterschiedlichster politischer... » Mehr
Im Jahr 2015 herrscht in der Schweiz ein frivoles «Liberallala» – liberal sein wollen sie alle. Welchem Liberalismus-Ideal folgt die kürzlich gegründete Operation Libero?
Von Ivo Scherrer, Stefan Schlegel

Ivo Scherrer und Stefan Schlegel / Photo: privat

«Heute wollen alle liberal sein. Also ich bin sehr liberal. Viel liberaler als die Liberalen liberal sind», hat Christoph Blocher kürzlich auf Tele Blocher gesagt. In einer der beiden Aussagen ist ihm beizupflichten: Liberal sein wollen in der Schweiz von den Grünen bis zur SVP fast alle. Liberal sein ist en vogue und fleissig wird darum gestritten, wer die liberale Flagge am Höchsten hissen darf. Dabei steht meist eine Frage im Zentrum der Auseinandersetzungen: wie...
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Chavchavadze und Margvelashvili, Shevardnadze und Kobiashvili – die georgischen Namen sind unverkennbar. Doch so kompliziert sie auch klingen mögen, ihr Bauprinzip ist ein simples: Eine kleine Einführung in die georgische Onomastik.
Von Manana Tandashvil
Der älteste georgische Familienname lässt sich schon in den frühesten Schriftzeugnissen nachweisen. «Das Martyrium der heiligen Schuschanik», das älteste erhaltene Buch der georgischen Literatur, das zwischen 476 und 483 verfasst wurde, stammt von einem Priester und Schriftsteller namens Jakob Zurtaweli (Jakob aus Zurtawi). Etabliert haben sich die georgischen Familiennamen seit dem 12. Jahrhundert, als sie sich zuerst in der Oberschicht durchgesetzt haben. Im... » Mehr
Mein Georgien-Abenteuer hat vor vier Jahren begonnen, in Zürich, bei einem Abendessen mit Tischgesang. Wie ich das Land im Südkaukasus kennenlernte. Und wie ich neue Freunde und Geschäftspartner fand. Bericht eines involvierten Unternehmers.
Von Martin Janssen
Georgien ist anders. Anders, als ich es mir vorgestellt hatte, in vielem anders als die Schweiz, zumeist anders, als Korrespondenten – meist mit Moskaus Brille – darüber berichten. Georgien erlebt, anders als die anderen ehemaligen Republiken der Sowjetunion, seit 1989 die abenteuerliche Wandlung von einer kommunistischen Staats- und Wirtschaftsorganisation hin zu einem betont freiheitlichen, unternehmerfreundlichen und demokratischen Staat mit hohen Wachstumsraten.
Mein... » Mehr
Georgien ist das Paradies auf Erden: Mit hohen Bergen, fruchtbaren Tälern und hervorragenden Reben hat der liebe Gott es bedacht. Erst seit es auf die segensreiche Wirkung offener Märkte setzt, vermag das Land sein Potential aber auch wirtschaftlich zu nutzen.
Von Philippe Rudaz
Als Gott die Landstücke der Welt unter den verschiedenen Völkern der Erde verteilte, kamen die Georgier zu spät, und Gott hatte nichts mehr für sie übrig. Die Georgier aber brachten zu dem Treffen Kostproben von ihrem besten Wein mit. Und dieser erfreute den Schöpfer so sehr, dass er ihnen ein kleines, mit einigen Bergen und einem Meer ausgestattetes Stück Land gab, das er eigentlich für sich und seinen standesgemässen Ruhestand vorgesehen... » Mehr
Die mündlich überlieferte Musik der Georgier ist ein bedeutender Beitrag zur musikalischen Weltkultur – nicht nur in den Ohren einzelner Begeisterter: Der mehrstimmige traditionelle Gesang steht als «Meisterwerk der mündlichen und immateriellen Kultur» unter dem Schutz der Unesco und fungiert als Kommunikationsform, die die Einheit in der Vielfalt sucht
Von Thomas Häusermann
Einst überall selbstverständlich, ist der mündlich überlieferte Gesang als Teil des dörflichen Lebens heute am Verschwinden, wenn auch vielleicht etwas langsamer und später als anderswo, denn die traditionellen Lebensformen wurden in Georgien erst nach der russischen Besetzung 1811 durch die Standards der internationalen Zivilisation in Frage gestellt. Bald danach aber entstanden erste Sammlungen, später (gleichzeitig mit jenen Bartóks in Ungarn)... » Mehr
Von Tamuna Khoshtaria, Natia Mestvirishvili
Im Oktober 2012 hat Georgien einen wichtigen Meilenstein erreicht – den ersten friedlich verlaufenen, demokratischen Regierungswechsel seit der Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Dieser Wandel wurde sowohl im Land selbst wie auch international als Schritt in Richtung Demokratie wahrgenommen und hat den Zukunftsoptimismus der Georgier verstärkt. Was aber denken die Georgier fast zwei Jahre nach diesem Sprung in die Demokratie über ihre gegenwärtige Situation und ihre... » Mehr
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